Meeresverschmutzung

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Meeresverschmutzung
Meeresverschmutzung,
 
die √ľber die nat√ľrlichen Verh√§ltnisse hinausgehende Zufuhr von Stoffen ins Meer, die eine Belastung des √Ėkosystems Meer oder von Teilen dieses √Ėkosystems herbeif√ľhren kann. Bei starker biologischer Wirksamkeit oder Giftigkeit und v. a. gr√∂√üeren Mengen der Stoffe kann eine solche Verunreinigung nicht mehr durch nat√ľrliche Prozesse (z. B. durch biologischen Abbau) ausgeglichen werden. Das marine √Ėkosystem mit seinen Lebewesen wird dann gesch√§digt, seine Nutzbarkeit f√ľr den Menschen eingeschr√§nkt. Nach einer Definition der UNESCO von 1967 sind Meeresverschmutzung die durch Menschen verursachten direkten oder indirekten Einleitungen von Substanzen oder Energie in den marinen Bereich (einschlie√ülich der Flussm√ľndungen), die einen sch√§dlichen Effekt auf lebende Organismen haben oder f√ľr die menschliche Gesundheit gef√§hrlich sind, die marine Nutzung einschlie√ülich der Fischerei behindern, die Qualit√§t des Meerwassers einschr√§nken oder die Erholungsm√∂glichkeiten verringern.
 
In internationalen Konventionen zum Schutz der Meere wird Meeresverschmutzung als ¬Ľ√úberbelastung¬ę ausgelegt, d. h. eine ¬Ľ√ľber die Selbstreinigungskraft hinausgehende Belastung der Gew√§sser mit Schadstoffen¬ę. Durch eine solche definitorische Einengung kann vorsorgendes Handeln zum Schutz der Meeresumwelt erschwert werden, u. a. weil Verunreinigungen oft erst nach sehr langer Einwirkung, verbunden mit neuen Anreicherungen, Kombinationseffekten mit anderen Faktoren, Schw√§chung des √Ėkosystems durch zus√§tzliche (auch nat√ľrliche) St√∂rungen erkennbar werden. In der Anfangsphase einer stofflichen Kontamination kann deshalb der Eindruck entstehen, dass keine Belastungen f√ľr die Lebewesen des betroffenen Lebensraums gegeben sind und auch keine √úberbelastung zu erwarten ist. Eine vorsorgliche Gefahrenabwehr wird dann oft als unn√∂tig angesehen, was v. a. zur Verz√∂gerung von wirkungsvollen internationalen Vereinbarungen f√ľhrt.
 
 Arten der Belastung
 
Verschmutzungen werden durch alle möglichen Substanzen, v. a. Abfälle oder Chemikalien, aber auch Mikroorganismen, besonders Krankheitserreger, hervorgerufen. Von besonderer Bedeutung ist die Meeresverschmutzung durch folgende Stoffklassen:
 
Belastung durch leicht abbaubare organische Substanzen wie z. B. F√§kalien, Reste von abgestorbenen Pflanzen und Tieren, aber auch eine Vielzahl von Stoffen, die von der chemischen Industrie erzeugt werden. Der Abbau solcher Stoffe kann durch chemisch-physikalische Einfl√ľsse bewirkt werden (z. B. durch Licht, Oxidation), haupts√§chlich jedoch ist es ein biologischer Abbau durch Bakterien, Algen und Kleintiere, in der Regel unter Sauerstoffverbrauch, wodurch die Sauerstoffbilanz gest√∂rt wird. Im Extremfall kann der gesamte gel√∂ste Sauerstoff verbraucht werden, wodurch s√§mtliche sauerstoffabh√§ngigen Lebensprozesse ausfallen; die Mehrzahl der Lebewesen stirbt bei diesem so genannten ¬ĽUmkippen¬ę innerhalb kurzer Zeit ab. Eine Gemeinschaft von Mikroorganismen, die ohne freien Sauerstoff leben kann, ersetzt die urspr√ľngliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren und produziert zus√§tzlich st√∂rende Abfallprodukte, v. a. den giftigen Schwefelwasserstoff. Besonders gef√§hrdet sind dabei Teile mehr oder weniger isolierter Randmeere (z. B. Ostsee, Mittelmeer).
 
Belastung durch Pflanzenn√§hrstoffe: Stickstoff und Phosphor sind als N√§hrstoffe f√ľr das Wachstum von Pflanzen notwendig und nur in besonderen F√§llen direkt sch√§dlich (z. B. Nitrite und Ammonium). Sie wirken v. a. indirekt, indem sie das Pflanzenwachstum anregen und somit den Aufbau abbaubarer organischer Substanz f√∂rdern. Eine vermehrte Zufuhr von Pflanzenn√§hrstoffen (auch in gebundener Form, etwa in F√§kalien oder Kl√§rschlamm) und die daraus resultierende erh√∂hte Biomasseproduktion f√ľhrt zur Eutrophierung, die f√ľr bestimmte Pflanzen (Algen, Phytoplankton) und viele andere Lebewesen zun√§chst f√∂rderlich sein kann; andererseits werden die an die urspr√ľngliche N√§hrstoffarmut angepassten Spezialisten verdr√§ngt. Einseitige Massenvermehrungen k√∂nnen ebenfalls zu einem Sauerstoffdefizit f√ľhren; im Extremfall bis zum Zusammenbruch des sauerstoffabh√§ngigen Lebens (so genanntes ¬ĽUmkippen¬ę).
 
Belastung durch anorganische Schadstoffe: Hier spielen Metalle, v. a. Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber, eine gro√üe Rolle, weil sie oft giftig (toxisch) sind, auf biochemische Prozesse st√∂rend einwirken k√∂nnen, letztlich nicht abgebaut werden und dadurch auch immer wieder in bestimmten Teilbereichen des Meeresmilieus angereichert werden k√∂nnen (z. B. in Schwebstoffen im Wasser, in Bodensedimenten und in den Meereslebewesen). Anreicherungsprozesse in Lebewesen und die Verst√§rkung durch das Nahrungsnetz im Meer (Biomagnifikation im Verlauf der Nahrungskette) k√∂nnen dann v. a. bei den Endgliedern von solchen Nahrungsketten (gro√üe Raubtiere) hohe Schadstoffkonzentrationen herbeif√ľhren, die direkt erkennbare Sch√§digungen bewirken oder solche Tiere als Nahrung f√ľr den Menschen untauglich machen (v. a. Fische). Weltweite Beachtung erlangten die Quecksilberverbindungen bei der Erforschung der Minamata-Krankheit; es wurde deutlich, dass trotz der zun√§chst riesig erscheinenden Wasservorr√§te die Meere nicht als Abfallplatz f√ľr gef√§hrliche und schwer oder nicht abbaubare Substanzen dienen k√∂nnen. Infolge internationaler Konventionen sind direkte Einbringungen giftiger Abf√§lle mit Schiffen ins Meer nicht mehr √ľberall m√∂glich. Doch selbst diffuse Eintr√§ge, z. B. √ľber die Atmosph√§re, haben in bestimmten Meeresgebieten, etwa in der mittleren und n√∂rdlichen Nordsee, inzwischen √∂kologisch bedenkliche Anreicherungen gerade von Schwermetallen wie Blei und Cadmium zur Folge.
 
Auch radioaktive Substanzen werden in die Meere eingeleitet, z. B. bei der Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen. Neben den dadurch kontinuierlich ins Meer gelangenden Belastungen hat es immer wieder St√∂rf√§lle gegeben. Es ist weiterhin umstritten, ob bestimmte (z. B. sehr tiefe) Meeresgebiete zur Endlagerung radioaktiver Abf√§lle genutzt werden k√∂nnen. Bislang kann die Sicherheit solcher Ma√ünahmen nicht garantiert werden. Au√üerdem steht das Tiefenwasser der Ozeane mit dem Oberfl√§chenwasser im Austausch, sodass lange strahlende Substanzen (Radionuklide mit gro√üer Halbwertszeit) nach Leckwerden von Beh√§ltern durchaus wieder in die vom Menschen direkt genutzte Biosph√§re zur√ľckgelangen k√∂nnen. Schwerwiegende Folgen f√ľr das marine √Ėkosystem hatten und haben die franz√∂sischen Kernwaffentests im S√ľdpazifik.
 
Belastend wirkt au√üerdem das Verklappen von Baggergut, das v. a. bei der Freihaltung von Schifffahrtswegen und Hafenbecken anf√§llt und in vielen Flussm√ľndungsgebieten sehr stark mit Schadstoffen belastet ist, besonders mit Schwermetallen. Die Umlagerung solcher Schl√§mme kann Schadstoffe wieder mobilisieren und in die biologischen Stoffkreisl√§ufe bringen. Allein im Nordseebereich werden j√§hrlich etwa 100 000 t Baggergut umgelagert.
 
Belastung durch Erd√∂l: Das aus Kohlenwasserstoffen bestehende Roh√∂l und seine Destillations- und Umwandlungsprodukte haben sich als sehr gef√§hrlich f√ľr die Meeresumwelt erwiesen. Eine gro√üe Belastung bedeutet die unerlaubte Einleitung von √Ėlr√ľckst√§nden, z. B. aus Tankersp√ľlungen oder Schiffsbilgen. Besonders spektakul√§r sind immer wieder gr√∂√üere Tankerhavarien, bei denen nicht nur zahllose V√∂gel durch verklebtes Gefieder und Robben, Wale sowie Fische durch verschluckte √Ėlklumpen qualvoll umkommen, sondern ganze √Ėkosysteme riesiger Ausdehnung durch √Ėlteppiche vernichtet werden. Dennoch stellen diese √Ėlunf√§lle nur etwa 10 % des Gesamteintrages an √Ėl dar, der auf etwa 3,2 Mio. t pro Jahr gesch√§tzt wird und etwa 200 000 t √Ėl, die durch untermeerische Quellen auf nat√ľrlichem Weg ins Meer gelangen, einschlie√üt.Von direkter Giftigkeit sind die wasserl√∂slichen, oft auch besonders fl√ľchtigen Komponenten des Roh√∂ls. Es kann deshalb durchaus sinnvoll sein, die Verdunstung nicht dadurch zu verhindern, dass man das √Ėl z. B. durch Chemikalien zum Meeresboden absenkt. Wenn bei einer √Ėlverschmutzung aufgrund schlechter Wetterbedingungen eine mechanische Bek√§mpfung (durch √Ėlsperren und Absch√∂pfen) unm√∂glich oder erschwert ist, werden derartige Ma√ünahmen immer wieder erwogen. Zur √Ėlbek√§mpfung werden auch in gro√üem Umfang Detergentien eingesetzt. Der Schaden durch die Giftigkeit dieser Stoffe und die besonders feine √Ėlverteilung kann allerdings gr√∂√üer sein, als er ohne diese Chemikalien gewesen w√§re. Inzwischen sind zur √Ėlbek√§mpfung weit weniger giftige Stoffe verf√ľgbar, sodass in besonderen F√§llen auch eine chemische Bek√§mpfung angebracht sein kann (z. B. um einen besonders wertvollen Teillebensraum vor hereindriftendem √Ėl zu sch√ľtzen). Der gr√∂√üte Teil des Roh√∂ls und seiner Bestandteile ist bei Anwesenheit von viel Sauerstoff langfristig durch Kleinstlebewesen abbaubar, sodass es im Verlauf von Jahren und Jahrzehnten durchaus eine gewisse Selbstreinigung der Meere gibt. Allerdings wird durch st√§ndige Neuzufuhr von Schadstoffen bislang eine Sanierung besonders der Gebiete, die dicht an den Schifffahrtswegen, Industriestandorten und Offshore-Bohrgebieten liegen, verhindert. Schwer abbaubare, oft noch stark giftige und sogar Krebs erregende √Ėlkomponenten bleiben zudem jahrzehntelang erhalten, werden unter Umst√§nden sogar angereichert. ‚ÄĒ Internationale Abkommen, v. a. das Internationale √úbereinkommen zur Verh√ľtung der Meeresverschmutzung durch Schiffe, versuchen zwar, die Probleme der √Ėlverschmutzung durch den Schiffsbetrieb zu reduzieren, erlauben jedoch in den meisten Meeresgebieten das Ablassen von Restmengen.
 
Belastung durch Chlorkohlenwasserstoffe: Organ. Verbindungen des Chlors waren in der Natur au√üerordentlich selten und sind erst durch den Menschen in gr√∂√üerem Ausma√ü in die Umwelt gelangt. Sie sind technisch sehr vielseitig einsetzbare Stoffe, meist von gro√üer Best√§ndigkeit (nicht oder schwer abbaubar) und zugleich Giftigkeit sowie Anreicherungsf√§higkeit (z. B. im Fettgewebe, in der Leber). Das Insektizid DDT und das in vielen technischen Prozessen eingesetzte Gemisch der polychlorierten Biphenyle (PCB) sind die bekanntesten Beispiele solcher Chlorverbindungen, die in alle Meere gelangt sind und V√∂gel im Bruterfolg und Seehunde in ihrer Fortpflanzung nachweisbar beeintr√§chtigt haben. Wenngleich DDT in Deutschland und zahlreichen anderen L√§ndern seit vielen Jahren verboten ist (nicht aber in allen au√üereurop√§ischen L√§ndern) und auch PCB an Bedeutung verlieren, sind Belastungen und Anreicherungen selbst in entferntesten Meeresteilen (z. B. arktische und antarktische Gew√§sser) v. a. bei Endgliedern der Nahrungsketten (Eisb√§ren, Robben, Wale, bestimmte Seev√∂gel, Fische) noch immer sehr hoch, und die Folgen der Anwendung werden noch lange im √Ėkosystem erkennbar bleiben.
 
Belastungen durch andere organische Schadstoffe: Neben den Chlorverbindungen sind auch andere organische Halogenverbindungen f√ľr die Meeresumwelt bedeutsam. Besondere Erw√§hnung verdienen die Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die als ¬ĽOzonkiller¬ę bekannt geworden sind, aber auch in √Ėkosystemen toxisch wirken. Von besonderer Giftigkeit sind die als Schutzanstrich f√ľr Schiffsb√∂den gegen Bewuchs eingesetzten zinnorganischen Verbindungen (Tributylzinn); sie haben einige abgeschlossene Hafengebiete inzwischen so stark belastet, dass dort viele Lebewesen v√∂llig verschwunden sind. Komplexbildende organische Molek√ľle wie Nitrilotriessigs√§ure (NTA) k√∂nnen sehr best√§ndig sein und z. B. Schwermetalle in Kl√§ranlagen aus den Schlammablagerungen herausl√∂sen und somit in das ablaufende Wasser bringen.
 
Belastung durch Abf√§lle: Zu den von Schiffen, aber auch achtlos in K√ľstengew√§sser geworfenen Abf√§llen geh√∂ren v. a. schwer abbaubare Kunststoffe, aber auch Glas- und Metallbeh√§lter, die zur Verschmutzung des Wassers und zur Gef√§hrdung von Lebewesen wie V√∂geln, Seehunden, Delphinen, Meeresschildkr√∂ten und Fischen beitragen.
 
Belastung durch Mikroorganismen, Krankheitserreger: Besonders in der N√§he menschlicher Siedlungen und in M√ľndungsgebieten gr√∂√üerer Fl√ľsse kommt es zu Belastungen durch sch√§dliche Mikroorganismen. Filtrierer unter den Lebewesen reichern dann unter Umst√§nden auch Krankheitserreger an, die eine direkte Gef√§hrdung f√ľr Menschen darstellen. Bekannt geworden sind z. B. Typhusinfektionen durch den Genuss von Muscheln (Austern, Miesmuscheln).
 
Da die Verhaltens- und Wirkungsweisen von Verschmutzungsstoffen sehr komplex sein k√∂nnen, sind sie im Hinblick auf ihre Umweltsch√§dlichkeit und die von ihnen ausgehende Bedrohung oft nur schwer einsch√§tzbar. Schon die Transport- und Anreicherungsvorg√§nge im Meer sind schwer durchschaubar; umso schwieriger ist vielfach die Beurteilung biologischer Umsetzungen und Einwirkungen. Meeresverschmutzungen k√∂nnen auch dazu beitragen, die allgemeine Fitness bestimmter Arten zu senken und diese damit anf√§lliger f√ľr Krankheiten machen (z. B. Robben). In anderen F√§llen sind Massenvermehrungen toxischer Algen beobachtet worden, die z. B. im S√ľdatlantik zu Vergiftungen der ohnehin durch √úbernutzung schon dezimierten Fischbest√§nde gef√ľhrt haben, was wiederum zum Verhungern einer gro√üen Anzahl von Robben gef√ľhrt hat.
 
Die seit Ende der 60er-Jahre intensivierten Arbeiten der Meeresforscher und anderer Wissenschaftler haben viele Transportwege, Anreicherungsprozesse und auch Wirkungsweisen von Verschmutzungen aufkl√§ren k√∂nnen. Als in der Regel schwerwiegend sind auch die Eintr√§ge √ľber die Fl√ľsse (z. B. Rhein, Elbe, Po) erkannt worden. In betr√§chtlichen Mengen gelangen au√üerdem Stoffe auf dem Luftweg (atmosph√§rische Eintr√§ge) ins Meer (etwa Schwermetalle wie Blei und Cadmium, aber auch organische Schadstoffe wie die in der Landwirtschaft eingesetzten Biozide, fl√ľchtige √Ėlbestandteile sowie L√∂sungsmittel). Die Versetzungen der Wassermassen durch die Meeresstr√∂mungen f√ľhren zu weitr√§umigen Schadstoffverteilungen und auch zu neuen Anreicherungen etwa in Gebieten langer Aufenthaltsdauer von Wassermassen oder besonders starker Ablagerung von Schwebstoffen. Bei St√ľrmen und hohen Fluten, Sauerstoffmangel, besonderen Aktivit√§ten von Bodentieren, Baggerarbeiten oder Bodenfischerei k√∂nnen Schadstoffe aus Zwischenablagerungen, etwa in Flussm√ľndungen oder Buchten und k√ľstennahen Sedimentationsgebieten, wieder aufgewirbelt oder anders mobilisiert und damit erneuten Transportprozessen ausgesetzt werden.
 
 Ausblick
 
Die bis heute deutlich erkannten Belastungen finden sich in der Regel zun√§chst in den k√ľstennahen Meeresgebieten, besonders vor gro√üen Flussm√ľndungen mit stark industrialisierten oder durch intensive Landwirtschaft beeinflussten Einzugsgebieten. Besonders gef√§hrdet sind dabei h√§ufig Randmeere beziehungsweise deren Teile mit nur eingeschr√§nktem Wasseraustausch (Ostsee, Mittelmeer, Schwarzes Meer u. a.). In den k√ľstennahen Lebensr√§umen finden sich allerdings auch Organismengemeinschaften, die die starken nat√ľrlichen Umweltschwankungen (Temperatur, Salzgehalt, Sedimentumlagerungen) sogar f√ľr ihre √úberlebensstrategien nutzen. Zus√§tzliche St√∂rungen k√∂nnen sie oft noch eine Zeit lang verkraften oder auffangen, die Auswirkungen werden auch den Meeresforschern angesichts der ohnehin vorhandenen starken Bestandsschwankungen oft verborgen bleiben. √Ėkosysteme mit ihrem Organismenbestand reagieren nicht kontinuierlich, es kommt vielmehr - wenn eine Belastung ein bestimmtes Ausma√ü erreicht hat - zu sprunghaften √Ąnderungen: Das gesamte √Ėkosystem bricht zusammen beziehungsweise ¬Ľkippt um¬ę, entweder durch direkte Vergiftung, h√§ufiger jedoch durch massive Sauerstoffzehrung als Folge von N√§hrstoffeintrag und/oder den Abbau abgestorbener Biomasse. Es ist in der Regel nicht m√∂glich, f√ľr ein komplexes, offenes √Ėkosystem den Zeitpunkt einer sprunghaften √Ąnderung vorherzusagen, d. h. die Belastbarkeit zu bestimmen. Schon das zuf√§llige Zusammentreffen von extremen nat√ľrlichen Belastungen, in der Nordsee sind das z. B. sehr kalte Winter, und von anthropogenen St√∂rungen kann gen√ľgen, dass Belastungsgrenzen eher als unter normalen Verh√§ltnissen erreicht werden. Der erreichte Belastungsumfang ist daher viel kritischer einzusch√§tzen als er bei oberfl√§chlicher Betrachtung erscheint. Dabei ist zus√§tzlich zu ber√ľcksichtigen, dass viele Lebewesen der offenen Ozeane empfindlicher sind als die der K√ľstenmeere und dass demzufolge die Belastungsgrenzen ozeanischer Lebensgemeinschaften viel schneller erreicht werden k√∂nnen. Zum Schutz der Meere ist daher das Vorsorgeprinzip strikt anzuwenden: Ma√ünahmen sind schon dann zu ergreifen, wenn Umweltver√§nderungen zu bef√ľrchten beziehungsweise nicht restlos auszuschlie√üen sind, d. h., Umweltvorsorge muss an den Verschmutzungsquellen betrieben werden. Nachhaltiger und wirksamer Schutz auch der Meere wird also k√ľnftig nur m√∂glich sein, wenn gehandelt wird, bevor Auswirkungen zu sp√ľren sind.
 
Zum Schutz der Meere hat die deutsche Bundesregierung mehrere Abkommen ratifiziert: Internationales √úbereinkommen zur Verh√ľtung der Verschmutzung der See durch √Ėl (OILPOL-Abkommen von 1954); √úbereinkommen zur Verh√ľtung der Meeresverschmutzung durch das Einbringen von Abf√§llen durch Schiffe und Luftfahrzeuge (Oslo-√úbereinkommen von 1972), Geltungsbereich Nordsee und Atlantik; √úbereinkommen √ľber die Verh√ľtung der Meeresverschmutzung durch das Einbringen von Abf√§llen und anderen Stoffen (London-√úbereinkommen von 1972), Geltungsbereich weltweit; Internationales √úbereinkommen zur Verh√ľtung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL-√úbereinkommen von 1973), Geltungsbereich weltweit; √úbereinkommen zur Verh√ľtung der Meeresverschmutzung vom Lande aus (Pariser √úbereinkommen von 1974), Geltungsbereich Nord- und Ostatlantik. 1974 schlossen die Anliegerstaaten der Ostsee das √úbereinkommen √ľber den Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes (Helsinki-√úbereinkommen) ab, das 1980 in Kraft trat. Eines der umfangreichsten internationalen Vertragswerke, das u. a. auch den Meeresumweltschutz und die Meeresnutzungen regelt, ist die 1973-1982 ausgehandelte und 1994 in Kraft getretene Seerechtskonvention (Seerecht).
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Gew√§sserschutz ¬∑ hohe See ¬∑ Meeresgrund ¬∑ Nordsee ¬∑ √Ėlpest ¬∑ Ostsee ¬∑ Watt
 
 
M. u. Meeresschutz. Naturwiss. Forschung u. rechtl. Instrumente, hg. v. W. Ernst (1982);
 K. A. Gourlay: Mord am Meer. Bestandsaufnahme der globalen Zerstörung (a. d. Engl., 1988);
 
Warnsignale aus der Nordsee, hg. v. J. L. Loz√°n u. a. (1990);
¬†L. Br√ľgmann: Meeresverunreinigung. Ursachen, Zustand, Trends u. Effekte (1993);
 F. Biermann: Internat. Meeresumweltpolitik (1994);
 
Meereskunde der Ostsee, hg. v. G. Rheinheimer (21995);
 
Warnsignale aus der Ostsee, hg. v. J. L. Loz√°n (1996).

Universal-Lexikon. 2012.

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